Rekrutenbesichtigung

Sonntag, mal wieder zu Hause. Letzte Woche hatten wir die lang erwartete Rekrutenbesichtigung. Wie bei jeder Übung rankten sich auch um diese elendig viele Gerüchte von denen einige wahr wurden, andere allerdings einfach nur falsch waren. Aber ich will die Tage mal schildern.

Schon am Montag erfuhren wir von unserem Leutnant, dass ab Montagabend die Gefechtsausrüstung gepackt sein muss, da die Übung jederzeit losgehen kann. Somit stellte sich doch ein wenig Nervosität ein, aber wir warteten ab und redeten uns aus, damit wir besser schlafen konnten, es geht nicht mitten in der Nacht los. Die Tage vergingen mit dem Vertiefen der Ausbildung und einigem Waffenreinigen bis am Dienstagabenddie Information durchsickerte es könnte Mittwochmorgen losgehen. Das akzeptierten wir, obwohl die Besichtigung erst für Donnerstag angesetzt war.

Die Gerüchte bestätigten sich als einer unserer Ausbilder um 4:30 Uhr mit der Pfeife durch den Block lief und uns sehr unsanft, aber ohne ALARM! aus dem Schlaf riss. Nachdem die Vollzähligkeit der persönlichen Ausrüstung für die Übung gemacht war wurden wir wie jeden Tag zum Frühstück geführt und sollten als wir wieder im Block waren sofort mit Gefechtsanzug wieder antreten, es sei Kompanieantreten angesetzt. Dort erhielten wir vom Oberleutnant die erste Lageinformation, der Feind Westlandsei durchgebrochen und werde im Raum Steyerberg, in der Nähe von Nienburg vermutet und wir als 7./EloKaBtl 912 müssten dorthin verlegen um eine Panzer Grenadier Brigade (oder so ähnlich) zu unterstützen. Dies sollte unter Erhalt der 100%igen Einsatzfähigkeit mit Bussen geschehen, also gesagt getan, wir zum Hubschrauberlandeplatz wo uns ein Bus erwarten sollte. Etwa 45 Minuten später kam die Information, dass der Bus nicht komme, es gäbe da ein Problem. Also wieder in den Block verlegen. Weitere 45 Minuten später kam der Bus dann aber auch wirklich und los ging es nach Steyerberg in einen Wald. Dort wurden dann Stellungen und Plätze der Gruppe zugewiesen und wir waren doch erstaunt als wir feststellten das alles überwuchert und mehr als ungeeignet zum Biwak war. Trotzdem mussten wir uns fügen, bauten anstelle von Kampfständen oder Schützenmulden aus Zeitmangel nur eine Deckung für den Kopf und schnell einen Platz der Gruppe. Nachdem dies erledigt war schlugen wir durch das Gestrüpp den Weg Stellung < -> Platz der Gruppe, der mit 70 Metern doch arg lang war und in der Nacht nicht einfach zu finden.

Nun kam langsam die Nacht und es wurden einige Alarme geübt, ging alles außer das es doch sehr sehr kalt war und der einsetzende Regen auch keine Besserung der Lage brachte. Den nächsten Morgen(Donnerstag) wurden wir wieder gegen 4:30 Uhr geweckt mit der Information wir seien aufgeklärt und müssten in 20 Minuten in Richtung Nienburg abmarschieren. Also schnell in totaler Finsternis alles abbauen und verstauen. Das haben wir dann auch geschafft und es ging los. Als erstes wurden wir kurz nach 5 Uhr damit konfrontiert das wir die Große Aue, ca. 10m breit, um diese Uhrzeit mit Zeltbahnpaket in Badehose durchwimmen sollten. Das Wasser stellte sich als sehr kalt heraus und ich bekam Probleme was dazu führte das mein Zeltbahnpaket kenterte und durch das Wasser nicht leichter wurde als ich am anderen Ufer war ;)

Nun packten wir dieses aus und ich legte meine nasse Ausrüstung wieder an. Jetzt sollte es also wirklich losgehen, Gerüchte sagten das uns 30km Marsch bevorstehen, wie viel das wirklich ist kann man sich nur nach so einem Marsch mit vollem Gepäck vorstellen.

Nach einigen Irrungen und Wirrungen, wie Theodor Fontane schreibt, ging es dann von Punkt zu Punkt, von Station zu Station. Wir mussten noch mit einem Floß über die Alte Weser und einen Kilometer unter ABC-Alarm marschieren. Und ich merkte schon jetzt, nasses Gepäck vereinfacht mir die Sache nicht wirklich. An Station 4, nach ungefähr 8 Kilometern kam die Information das unser Gruppenführer gefallen sei und ich jetzt der Gruppenführer bin. Meine Kameraden mussten schnell eine Wegeskizze zum Marschieren zum nächsten Punkt zeichnen, wir verdrückten schnell unser Lunch-Paket und weiter ging es jetzt allein und durch den Wald. Diesen durchquerten wir mit Skizze und Marschkompaßzahl bis wir irgendwann auf einem Feld standen und nicht so recht wussten wo wir waren da das mit unserem bescheidenen Kartenausschnitt nicht festzustellen war. Glücklicherweise trafen wir die Gruppe 4 die wussten wo wir uns befanden und so beschlossen wir gemeinsam zu marschieren. Es kam noch eine Menge Wald und eine Menge Weg aber gegen 19:30 Uhr trafen wir erfolgreich und verdammt fertig, wir konnte wirklich ALLE nicht mehr, bei unserer Kompanie ein. Dort gab es noch ein schnelles Lob von Kompaniechef und vom Spieß und die Nachbereitung begann, erst Waffen dann Ausrüstung. Die nächste Gruppe traf gegen 0 Uhr ein weil sich die Ausbilder zu Beginn des Marsches verlaufen hatten, dann um ca. 1 Uhr Nachts erreichte auch die letzte Gruppe das Ziel. Nun begannen auch diese jeweils mit der Nachbereitung was für uns bedeutete, dass wir die Ausrüstung im gröbsten schon fertig gereinigt hatten. Um zwei Uhr Nachts wurde uns dann Dienstschluss gegeben und uns gesagt, dass wir den nächsten Morgen erst um 8:30 Uhr Dienstbeginn haben.

Und somit endete die Rekrutenbesichtigung. Und ich weiß, dass ich NIE wieder 30 Kilometer marschieren will, da die anschließenden Schmerzen doch sehr grausam sind!

Bundeswehr, AGA, wenig Freizeit und anderes

Ich melde mich mal wieder. Heute geht auch schon wieder ein viel zu kurzes Wochenende zu Ende, aber ich hab doch das Ziel vor Augen, dass die Allgemeine Grundausbildung nicht mehr lang dauert. Donnerstag (15.09.) haben wir unsere Rekrutenbesichtigung und uns steht wohl ein 20-30 Kilometer Orientierungsmarsch (Gefächtsmässig) mit allerlei Stationen bevor. Die Übung zum O-Marsch war jedenfalls recht erfolgreich.
Letzte Woche hatten wir auch unser letztes Biwak, 72-Stunden, dieses musste ich aber leider am zweiten Tag um circa 20:30 Uhr abbrechen, da mein Kreislauf nicht mehr mitgemacht hat. Ansonsten merkt man doch das es langsam aber sicher auf das Ende zu geht. Inzwischen weiß ich auch wo ich die weitere Zeit bei der Bundeswehr verwendet werde, im GeZi meiner AGA-Einheit. Mal sehen wie das wird, ich sehe es als positiv das ich bleibe wo ich bin, dann kenn ich wenigstens schon mal ein paar Gesichter und vorallem die Kaserne an sich.

Achja, den Truppenausweis haben wir auch endlich bekommen, ich hätte allerdings nicht gedacht das man so hässliche Fotos von Menschen machen kann. Aber ist ja auch nur ein Ausweis *g*

Ansonsten gibt es bei mir nichts neues, wie sollte es auch wenn ich die ganze Wochen eigentlich mit niemandem ausser meinen Kameraden zu tun habe ;)

Werd mich sicher bald mal wieder melden, bis dann!